Latent Fire
2026/27
Interdisziplinäres LAB-Semesterprojekt für die Gala „100 Jahre Folkwang, 2. April 2027, Philharmonie Essen
Prometheus stiehlt den Göttern das Feuer und schenkt es den Menschen. Mit diesem Mythos beginnt die Geschichte menschlicher Schöpfungskraft und ihrer Ambivalenz. Heute heißt das Feuer vielleicht Daten, KI und algorithmische Systeme, aber auch Energie, Technologie und Wissen und damit die Möglichkeit, unsere Umwelt zu verändern, wie etwa im Kontext der Klimakrise. Wer entfacht es, und wer trägt die Folgen?
Mythen sind keine alten Geschichten, sondern Werkzeuge: Sie ordnen, was sich anders nicht erklären lässt. Die zeitgenössische Kunst greift deshalb wieder nach ihnen – nach Ritual, Prozession, Beschwörung, nach Bildern, die zwischen Zeitebenen vermitteln. Wir fragen: Welche Mythen erzählen wir uns heute über Fortschritt, Kontrolle und Freiheit? Und welche Formen brauchen sie? Im Semesterprojekt beschäftigen wir uns daher auch mit dem Feuer selbst. Zwischen Schutz und Bedrohung liegt ein Spannungsfeld, das Feuer seit jeher zu einem der stärksten Bilder menschlicher Kultur macht.
Ausgehend von Alexander Skrjabins Prométhée. Le Poème du feu entwickeln wir den visuellen und performativen Beitrag zur Gala. Skrjabin hat in die Partitur eine eigene Lichtstimme geschrieben — Musik, die nach Bild verlangt. Genau dort setzen wir an: Im Lehrgebiet Bewegtbild entsteht entlang der Musik ein gemeinsamer experimenteller Animationsfilm aus einzelnen Sequenzen. Eure Sequenz verantwortet ihr als Autor*in — kurz oder lang, 2D oder 3D, analog oder digital animiert, gern auch als Verbindung mehrerer Animationstechniken. Wir arbeiten daran, eure künstlerische Handschrift zu schärfen, Musik in bewegtes Bild zu übersetzen und Bewegtbild im Bühnenraum zu inszenieren. Gezeigt wird der Film großflächig projiziert, synchron zu den Arbeiten aus Fotografie im Experiment, Experimentelle Gestaltung und dem Orchester.
Das Semesterprojekt ist ein Labor (LAB) der Lehrgebiete Bewegtbild: Prof. Kathi Kæppel, Merlin Flügel, Tim Romanowsky, Fotografie im Experiment: Prof. Jana Müller und Experimentelle Gestaltung: Prof. Christian Schreckenberger und Fachbereich 1 mit dem Orchester unter Leitung des Dirigenten Rasmus Baumann. Fotografie, Bewegtbild, Performance, Musik, Objekt, Licht und Raum werden zu einem gemeinsamen Werk verbunden. Wer hier arbeitet, lernt nicht nur das eigene Medium besser kennen, sondern auch die Methoden der anderen – wie eine Partitur gelesen, eine Probe strukturiert, geübt, variiert, ein Körper im Raum geführt, ein Objekt entwickelt wird. Aus der Zusammenarbeit mit dem Orchester und den beteiligten Studiengängen entstehen künstlerische Praktiken, die keine Disziplin für sich allein hervorbringt. Gesucht sind keine fertigen Antworten, sondern Neugier und eigene künstlerische Positionen. Regelmäßige Kolloquien begleiten den Prozess.
Termine Treffen studiengangsübergreifendes LAB-Team:
Do 22.10.2026, 10h: Auftaktveranstaltung LAB
Do 05.11.2026, 10h: 05.11 10h: Exkursion Filmfest Duisburg
Do 19.11.2026, 10h: 1. LAB Treffen in Philharmonie (angefragt)
Do 03.12.2026, 10h: 2. LAB Treffen
Do 14.01.2027, 10h: 3. LAB Treffen
30.03.2027 Probe Werden
31.03.2027 Probe Werden; Aufbau in Philharmonie
01.04.2027 Probe Philharmonie
02.04.2027 Aufführung Philharmonie