Die Gischt der Tage
2025
›Die Gischt der Tage‹ (Originaltitel: L’Écume des jours) ist ein Roman des französischen Autors Boris Vian (1920–1959), der die ungewöhnliche Geschichte einer Liebe in einer Welt erzählt, in der anthropomorphisierte Tiere, Pflanzen und leblose Gegenstände menschliche Emotionen widerspiegeln. Das surreale, verspielte Szenario, in dem Mäuse tanzen und die Sonne gleichzeitig von allen Seiten scheint, wo Aale in Wasserleitungen leben und zerbrochene Fensterscheiben nachwachsen, wird bald überschattet. Die Sonne zieht sich zurück, und die Welt wird immer enger. Plötzlich wird der absurde Roman tragisch und kritisiert auf subtile Weise eine entfremdete Gesellschaft.
Die zentrale Aufgabe dieses Semesterprojekts besteht darin, die lineare Erzählstruktur des Originalromans, der in Szenen und einzelne Miniaturen unterteilt ist, in eine nonlineare Erzählung im Raum zu übersetzen. Die Szenen funktionieren für sich. Dialoge und Querverweise zwischen den Szenen entstehen durch die Bewegungen der Besucher. Die Projektionsflächen arbeiten mit statischen Bildelementen und Farbflächen, animierten Figuren und Kulissen, um die surreale Welt durch Animation herauszufordern.
Wir kehren zu den Wurzeln der Animation zurück und konzentrieren uns auf traditionelle Animationstechniken zwischen Einzel- und Bewegtbild. Durch die Entwicklung der Arbeiten für den Ausstellungsraum setzen wir uns mit den Möglichkeiten von Expanded Animation auseinander.
›Species of Spaces‹ ist ein experimentelles Kooperationsprojekt zwischen dem Next Level – Festival for Games und der Folkwang Universität der Künste.
Ausstellung: 13.11.2025-16.11.2025, Künstler*innenhaus Dortmund, Satellit NEXT LEVEL
Exkursion: 15.04.2025, Die Gischt der Tage, Schauspielhaus Düsseldorf
Gäste: Masterclass Professorin Alisi Telengut, Concordia University, Montreal
Michelle Bochenek
Aalpaste(te) (2025)
2D Animationsfilm, 16:9, 1:20, Farbe, Ton
Ein Aal spielt Fangen mit einer Ananas-Zahnpasta. Während der Verfolgung verzerren und zerfließen sowohl Aal als auch Zahnpasta, bis die Jagt ein abruptes Ende findet.
Lili Cirksena
ALL THE WOMEN IN ME ARE ANGRY (2025)
Video, CutOut Animation, Live-Action, 16:9, 1:20, Farbe, Ton
Meine Videoarbeit ALL THE WOMEN IN ME ARE ANGRY thematisiert Female Anger: die kollektive Empörung von Frauen* als Reaktion auf patriarchale Strukturen und gesellschaftliche Unsichtbarkeit. Mit der Arbeit möchte die weibliche* Stimme, die oft überhört oder zum Schweigen gebracht wird, spürbar und kraftvoll machen und zu mehr Wut gegen Ungerechtigkeit auffordern.
ALL THE WOMEN IN ME ARE ANGRY ist eine Hymne an die unangepasste, laute und frustrierte Feministin
Sarina Glinka
Rankenspiel (2025)
2D-Animationsfilm, 16:9, 1:24, Farbe, Ton
Die Riemenmimose, zu Beginn des Buches nur kurz erwähnt, symbolisiert sie die absolut chaotische und fantastische Welt, in welcher die Geschichte ihren Lauf nimmt. Auf ihren und durch ihre Ranken bewegen sich Braut, Bräutigam und Küchenmaus, werden von ihnen gelenkt und verschlungen, bis sich offenbart, dass sich eine zweite Pflanze schon lange in ihr Leben geschlichen hat, dieses zerstört und sich durch es hindurchfrisst, bis nichts mehr bleibt, außer einer Blüte.
Marcia Rotter
i remember (2025)
Makrovideo, CutOut Animation, Live-Action, 5:4, 3:12, Farbe, Ton
Das Video ›i remember‹ nähert sich dem gesellschaftlichen Tabuthema Tod und Vergänglichkeit mithilfe des Gedichts The Wild Iris der Essayistin und Autorin Louise Glück. Die Arbeit verbindet Makroaufnahmen von Blumen und fließendem Wasser mit einer 2-D-Animation, die den Zyklus von Entstehen und Zerfall aus Sicht einer Pflanze zeigt.
Im 4:5-Format entfaltet sich eine stille, sensible Erzählung. Wasser symbolisiert dabei Transformation und den ewigen Fluss der Natur. Die eingeblendeten Gedichtpassagen aus Glücks „The Wild Iris“ beschreiben den Tod nicht als Ende, sondern als Übergang. Es ist ein Versuch, einen Dialog über Schmerz und Abschied zu eröffnen, ohne das Thema Tod zu ästhetisieren.
Musik: The Lightning behind the Mountain, Sunlight Ascending
Michelle Steiniger
The Veil of Bloom (2025)
3D Animation, Loop, 9:16, 2:03, Farbe, Ton
›The Veil of Bloom‹ ist ein animierter Loop über die stille Auseinandersetzung zwischen Körper (Chloé) und Blüte (Lotus). Zwischen Anmut und Verfall entfaltet sich ein Kreislauf, in dem sich Natur und Mensch untrennbar verweben und gegenseitig durchdringen. In langsamen Transformationen wie plötzlichen Brüchen zeigt die Arbeit, wie Krankheit zugleich schleichend und abrupt wirkt – ein Ringen an der fragilen Grenze zwischen Leben und Auflösung, zwischen dem, was trägt, und dem, was zerstört.
Antonia Thiessen
L’ écume de jours (2025)
2D Animationsfilm, 16:9, 1:20, Farbe, Ton
Der Animationsfilm erzählt von der Verwandlung eines anfangs leichten, fröhlichen Lebens in eine düstere, melancholische Welt. Inspiriert von Boris Vians L’écume de jours visualisiert er den emotionalen Zerfall durch die wachsende Präsenz einer zerstörerischen Seerose. In kreidiger, atmosphärischer Bildsprache entfaltet sich eine poetische Metapher für Liebe, Krankheit und Vergänglichkeit – ein kurzer, aber intensiver Einblick in das Verblassen von Glück und die Verwüstung des Inneren.
Junis Wieland
Marsch (2025)
Game, 16:9, Farbe, Ton
Ich habe eine Sammlung von Bildelementen entwickelt, um damit Baukasten-artig Kernmotive aus "Die Gischt der Tage" darzustellen – etwa einen feierlichen Umzug oder die Zerstörung von Colins Welt. Die Einzelteile bringe ich auf Magnetfolie auf und stelle sie in der geplanten Ausstellung bereit. So können Besucher*innen mit ihnen selbst ein Wandbild zusammenfügen, das im Laufe der Zeit wächst und sich verändert. Bei der Gestaltung der Bildelemente war es mir wichtig, viele Kombinationsmöglichkeiten anzulegen.